Navy CIS: Paket von einem Toten [seit 2003; 2009]

Genre: Krimi-Serie
Originaltitel: NCIS: South by Southwest
Laufzeit: ca. 43 Min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Thomas J. Wright
Autor: Frank Cardea, George Schenk
Musik: Brian Kirk
Erstausstrahlung USA: 24.02.2009 (CBS)
Erstausstrahlung D: 20.09.2009 (Sat 1)

Stammdarsteller: Mark Harmon, Cote de Pablo, Michael Weatherly, David McCallum, Pauley Perrette, Sean Murray, Rocky Carroll
Gastdarsteller: Lance Henriksen, Tim Guinee, Mira Furlan, Patrick St. Esprit, Robert Ri'Chard, Matt Miller


Kurzinhalt:

NCIS-Agent Patterson (Matt Miller) wird in Washington auf offener Straße erschossen. Die Ermittlungen von Gibbs (Mark Harmon) und seinem Team zeigen schnell, dass ein Profi ihn ermordete. Bei der Leiche findet man eine Visitenkarte, die zu Bart Lemming (Tim Guinee) führt, einem ehemaligen Kollegen von Patterson, der den NCIS bei den Ermittlungen unterstützt.

Abby (Pauley Perrette) macht sich inzwischen schwere Vorwürfe, denn sie war mit Patterson via Telefon und Internet bekannt und wollte sich mit diesem treffen. Auf ihren Wunsch wurde der Termin auf den nächsten Tag verlegt, den Patterson nicht mehr erleben sollte.
Doch da erhält sie ein am Tag seines Todes von Patterson an sie adressiertes Paket, das ein Gemälde der Malerin Dina Risi (Mira Furlan) enthält. Ihre Spur führt Gibbs und DiNozzo (Michael Weatherly) nach Arizona, wo sie sich mit Sheriff Boyd (Lance Henriksen) auf die Suche nach Dina machen…


Kritik:

Grundsätzlich läuft es bestens mit dem sehr erfolgreichen Spinn-Off der Militär-Justiz-Serie JAG – Im Auftrag der Ehre. Seit 2003 erfreut sich Navy CIS bzw. NCIS ungebrochener Beliebtheit und bringt nun bereits ihren eigenen Ableger mit Namen NCIS – Los Angeles hervor, in dem ein neues Team in ähnlicher Manier Kriminalfälle lösen soll.

Wir befinden uns mit dieser Folge in der Mitte der sechsten Staffel und nach wie vor funktioniert das Erfolgsrezept, das es nicht unbedingt immer die Fälle sind, die im Vordergrund stehen, sondern die Dynamik der Teammitglieder. Obwohl man natürlich mit Mark Harmon einen exzellenten Mann an der Spitze und mit Special Agent Jethro Leroy Gibbs eine grandiose Figur im Zentrum hat, funktioniert NCIS in erster Linie durch das Zusammenspiel des gesamten Ensembles und der humorigen Grundnote der Serie. Wo die meisten zeitgenössischen Konkurrenten wissenschaftliche Sterilität im Stile der CSI-Serien oder trockene Bitterkeit im Sinne der Verbrechen in den Law & Order-Serien zelebrieren, kommt NCIS deutlich leichtfüßiger daher. Man treibt es dabei wohltuenderweise nicht –oder zumindest nur selten- so sehr auf die Spitze, dass das ganze zur Farce verkommt, dennoch gibt es meist deutlich mehr zum Lachen als Nägel knabbern.

Für die Umsetzung der vorliegenden Geschichte der Autoren Frank Cardea und George Schenk nahm Regisseur Thomas J. Wright (Hulk Hogan – Der Hammer [1989]) auf dem Regiestuhl Platz, der nicht nur über eine immense Erfahrung in der Inszenierung von TV-Serien in die Waagschale wirft sondern alleine bei NCIS bereits zum 23. Mal zum Einsatz kam. Auch bei den Gaststars wurde nicht gegeizt und so gibt es ein Wiedersehen mit Lance Henriksen aus Millennium, Mira Furlan aus Babylon 5 und Lost sowie Tim Guinee aus Stargate-SG1.

Gedreht wurden die entsprechenden Szenen mit Lance Henriksen natürlich nicht in Arizona sondern im Vasquez Rocks Natural Area Park, der nördlich von Los Angeles, Kalifornien, liegt. Dieser diente schon einer Unmenge an Film- und Serienproduktionen als Umfeld, u.a. auch einer der klassischen Folgen von Star Trek.

Relativ zeitnah, nämlich nur knapp sieben Monate nach der US-Erstausstrahlung, bescherte der deutsche Navy CIS-Sender Sat 1 sowohl den Fans der Serie als auch den Lance Henriksen-Fans im Besonderen einen Leckerbissen, denn in den letzten Jahren gab Henriksen nur wirklich selten Gastauftritte in einer TV-Serie. Doch kommen wir zu der Folge an sich:

Der Originaltitel der Episode "South by Southwest" ist natürlich eine Anspielung auf den 1959er Kinofilm von Alfred Hitchcock, North by Nothwest, welcher hierzulander als Der unsichtbare Dritte bekannt ist.

"Paket von einem Toten" beginnt interessant, plätschert dann aber ein wenig vor sich hin, ehe sich wieder wirklich gute Momente ergeben. In der ersten Hälfte der Folge ist positiv hervorzuheben, dass Pauly Perette einmal nicht die flippige Persönlichkeit auslebt sondern tatsächlich durch nicht überspitzte Momente besticht, etwas, was der Glaubwürdigkeit ihrer Figur gut tut. Etwa zur Halbzeit der Folge treffen Gibbs und DiNozzo dann in Arizona ein und ab da geht es merklich bergauf, was vor allem auch den sehr amüsanten Szenen der Beiden mit Lance Henriksen geschuldet ist.

Schließlich ergibt sich gar noch eine schwer vorhersehbare Wendung, die gegen Ende noch mal etwas Spannung aufflackern lässt und Mark Harmon sogar die Möglichkeit bietet, in einer Actionszene als Scharfschütze zu glänzen.

Ergänzend zu der gewohnt soliden Musik von Serienkomponist Brian Kirk findet in dieser Folge auch der Song "Hard to Mainstream" von Dominic Kelly, der den Titel auch schrieb, seinen Platz. Kelly steuerte bereits zu den meisten Folgen der Serie einen Titel bei. Seinen Durchbruch hatte er 1997 bei der Dokumentation Full Tilt Boogie, welche die Dreharbeiten des Kultfilms From Dusk Till Dawn auf unterhaltsame Weise verewigte.
Außerdem zu hören; der Song "Tomorrow still comes" von Will Dailey, der auch auf dem Anfang 2009 erschienen NCIS-Soundtrack-Album (2 CD) enthalten ist.


Fazit:

"Paket von einem Toten" stellt mitnichten ein Highlight der Serie dar, was vor allem an der etwas schleppenden ersten Hälfte der Folge liegt, die nach spannendem Auftakt vor sich hin tümpelt. Ab der Ankunft von Gibbs und DiNozzo in Arizona nimmt die Folge an Fahrt und vor allem auch Witz deutlich auf. Betrachtet man sich die Folgen zuvor und die nachfolgenden schneidet die immerhin beachtliche Nummer 130 sogar recht gut ab.

Als Highlights bleiben der Showdown mit dem Helicopter und tatsächlich alle Szenen mit dem Trio Harmon, Weatherly und Henriksen in Erinnerung.


Wertung: 4,5 von 6 Punkten


Der Lance-Faktor:

Rolle: Sheriff Clay Boyd
Synchronsprecher: Thomas Wolff

Dieser Gastauftritt in einer etablierten TV-Serie ist durchaus etwas Ungewöhnliches für Lance Henriksen, der derartige Engagements zuletzt in den frühen Jahren seiner Karriere, vornehmlich den 80ern, annahm. Seinerzeit sicher auch aus Mangel an Alternativen.
Nach eigener Aussage war er aber nie ein Freund solcher Rollen, da man als Gast hauptsächlich dafür vor die Kamera tritt um die Hauptdarsteller der Serie gut aussehen zu lassen.

Die wenigen späteren Auftritte in TV-Serien, Millennium einmal außen vor gelassen, waren praktisch allesamt Gefälligkeiten, etwa für Chris Carter als dieser seine neue Serie Harsh Realm auf den Markt brachte und Lance eine kleine Rolle in der Pilotepisode übernahm.

Zu dem Auftritt in NCIS kam es in erster Linie, weil der Regisseur dieser Episode Tomas J. Wright war, mit dem Lance eine lange gemeinsame Vergangenheit verbindet. Wright wurde in 45 Folgen von Millennium als Produzent geführt und führte bei stolzen 26 Folgen Regie. Hier lernten sich die beiden Männer, die über die Jahre Freunde blieben, kennen. Neben der privaten Bekanntschaft kreuzten sich dann auch ihre beruflichen Wege immer wieder. Am 21. Mai 1999 wurde die letzte Folge Millennium in den USA uraufgeführt, ein Finale, das auch von Wright inszeniert wurde. Schon am 28. November desselben Jahres lief dann im amerikanischen TV das Millennium-Crossover mit Akte X, in dem Lance ein (bisher) letztes Mal als Frank Black und damit erneut unter Regie von Wright vor der Kamera stand.

Es verging einige Zeit bis Wright, der hauptsächlich an den Sets verschiedenster TV-Serien Erfolge feierte, einen seiner wenigen und seinen bislang letzten Spielfilm inszenierte. Der 2002 veröffentlichte Genre-Mix Unspeakable – Der Todestrip wartete mit einem nicht uninteressanten Ensemble-Cast auf, der auch wieder Lance beinhaltete.

Erneut vergingen Jahre und zwischenzeitlich fand Wright des Öfteren Beschäftigung bei der sehr erfolgreichen CBS-Serie NCIS. Als er das Skript für seine 23. Regierarbeit bei dieser Serie in die Hände bekam, dachte er erneut an Lance, rief ihn an und offerierte ihm die Rolle, die Lance nach Ansicht des Skripts dann auch annahm. Nach eigenem Bekunden machten ihm die Dreharbeiten für die Serie auch gehörigen Spaß, was aber nicht bedeute, dass er derlei Angebote nun öfter annehmen würde.

Lance sprang also für die Rolle des Sheriff Clay Boyd ein. Die Dreharbeiten fanden im Vasquez Rocks Natural Area Park, nördlich von Los Angeles, Kalifornien, statt. Für die Rolle ließ Lance sich einen weißen, stoppeligen Dreitagevollbart stehen, ein ungewöhnlicher Look, und durfte einmal mehr auf dem Rücken eines Pferdes Platz nehmen, wie er es dank der zahlreichen Western in seiner Vita immer wieder macht.

Sheriff Boyd: You know, you might want to let go of that horn, junior. Riding a horse is like making love, you've gotta relax and enjoy it.
Tony DiNozzo: Sheriff, I've the strong feeling that you and I enjoy both activities in really different ways. No disrespect.

Einige seiner Aufnahmen wurden aufgrund er Außendrehs von ihm nachgesprochen. Für die deutsche Synchronisation von Navy CIS zeichnet die Firma Arena Synchron verantwortlich. Diese griff bei der Besetzung von Lance' Part des Sheriff Boyd auf Thomas Wolff zurück, womit zumindest eine ansatzweise Casting-Kontinuität bemüht wird. Immerhin war Wolff schon mehrfach auf Henriksen zu hören und gerade in letzter Zeit wieder u.a. bei Into the West im Einsatz.

Apropos Stimme: Michael Weatherly liefert eine –vor allem im O-Ton- wirklich urkomische Lance Henriksen-Stimmperformance ab, die natürlich auf dessen Charakter Sheriff Boyd gemünzt war, jedoch sofort als "Lance" erkennbar ist. Im Deutschen ist der Gag zwar drin, verliert aber an Wirkung, weil man sich natürlich nur auf diese Rolle und nicht Lance selbst beziehen konnte, der hierzulande ja stets anders klingt.

Die Lance-Szenen sind allesamt sehr sehenswert, ohne Frage. Die Lance-Faktor-Wertung ist letzten Endes deswegen vergleichsweise niedrig, weil er erst relativ spät ins Spiel kommt und seinen "Special Guest"-Part präsentieren darf.

Wertung: 4 von 6 Punkten

15.11.2009
DS