Man's Best Friend [1993]

Genre: Horror / Thriller
Originaltitel: Man's Best Friend [alter deutscher Alternativ-Titel: "Der Tod kommt auf vier Pfoten"]
Laufzeit: ca. 84 Min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1993
FSK-Freigabe: ab 18 Jahren

Regie: John Lafia
Autor: John Lafia
Musik: Joel Goldsmith
Darsteller: Ally Sheedy, Lance Henriksen, Robert Constanzo, Frederic Lehne, William Sanderson


Kurzinhalt:

Aufgrund eines Informantentipps ermittelt die Reporterin Lori (Ally Sheedy) in einem Fall von geheimen Tierversuchen. Als ihre Informantin nicht wie vereinbart auftaucht bricht sie nachts kurzerhand in die Labore von EMAX ein, um den Skandal aufzudecken. Als sie dabei ertappt wird muss sie fliehen, wobei der zu Versuchszwecken gefangene Hund Max ihr folgt.

Max wächst Lori schnell ans Herz, doch was sie nicht weiß ist, dass Max aufgrund genetischer Züchtung eine tickende Zeitbombe ist. Sein "Schöpfer" Dr. Jarret (Lance Henriksen) setzt indes alles daran, ihn zu finden, ehe eine blutige Katastrophe ihren Anfang nimmt…


Kritik:

Sowohl Poster als auch Inhaltsangabe des Filmes machen eigentlich von vorne herein klar, was man hier vor sich hat; einen astreinen Vertreter des Subgenres Tierhorror- und bei weitem nicht den Schlechtesten!

Dabei sollte man gleich zu Beginn so ehrlich sein festzuhalten, dass der Film sicher auch kein Meilenstein der Horrorfilmkunst ist und dass man sich von der deutschen Freigabe ab 18 Jahren nicht zu viel in Hinblick auf blutige Gemetzel erwarten sollte. Zwar ist der Film vor allem im späteren Verlauf der Handlung nicht gerade zimperlich, doch nach heutigen Kriterien müsste der Film ohne Probleme eine Freigabe ab 16 Jahren bekommen.

Für dieses filmische Projekt hatte sich seinerzeit eine ganze Truppe von Namen zusammen gefunden, die für einen gewissen Qualitätsstandart bürgen. Da wäre zunächst Regisseur und gleichzeitig auch Autor John Lafia, der sich über die Chucky-Filmreihe einen Namen gemacht hatte. So schrieb er das Drehbuch für den ersten Teil Die Mörderpuppe von 1988 und führte 1990 bei der Fortsetzung Chucky 2 – Die Mörderpuppe ist zurück gleich auch Regie. Seit Man's Best Friend war sein aufsehen erregendstes Projekt allerdings der Katastrophenfilm 10.5 von 2004 nebst Fortsetzung von 2006, wobei er hier auch jeweils wieder sowohl als Autor wie auch als Regisseur auftrat.

Lafias Drehbuch kam sicherlich gerade zur rechten Zeit um auf den 1992er Familienfilm Ein Hund namens Beethoven zu reagieren, der scharenweise Menschen in die Kinos zog und entsprechend seinem Erfolg etliche Nachfolger und Nachahmer aktivierte, die auf die Hunde-Welle aufsprangen. Das erste Sequel kam Passenderweise ebenfalls 1993 in die Kinos.

Für die Make-up-Effekte wurde Kevin Yagher engagiert, der sich erste Sporen mit den ersten Fortsetzungen der Nightmare on Elm Street-Reihe verdient hatte. Auch zeichnete er für das Design der Mörderpuppe Chucky verantwortlich und hatte bei dem von Lafia inszenierten Sequel die 2nd-Unit-Regie übernommen.

Die musikalische Untermalung wiederum oblag Joel Goldsmith, Sohn des berühmten Vaters Jerry. Heutige Serienzuschauer kennen ihn sicher hauptsächlich durch seine vielfältige Arbeit an der TV-Serie Stargate, ihrem Spinn-off Stargate: Atlantis und den TV-Filmen. Für Man's Best Friend fertigte er einen eingängigen Haupttitel und einen mindestens guten Gesamtscore.

Der Film wurde mit einem Budget von ca. 6 Millionen Dollar vom 25.01.1993 bis zum 05.04.1993 in Sierra Madre, Kalifornien gedreht und schließlich im Oktober 1993 auf dem Mailand International Film Festival aufgeführt. Der US-Kinostart erfolgte am 19.11.1993 und immerhin brachte es der Film auf einen Erlös von knapp 13 Millionen Dollar.

Trotz der nicht sonderlich originellen Geschichte des genmanipulierten Tieres waren sich hier Zuschauer wie Kritiker relativ einig, bildete der Film immerhin einen wohltuend garstigen Kontrast zum ähnlich gelagerten Familienprogramm. So wurde der Film dann auch 1994 bei den Saturn Awards in den Kategorien beste Schauspielerin (Ally Sheedy), bestes Make-up (Kevin Yagher und Mitchell J. Coughlin) und bester Science Fiction Film nominiert, unterlag aber Konkurrenten. Dafür erhielt John Lafia den Special Price bei dem Gérademer Film Festival.

Obwohl als Hauptdarsteller zwei bekannte Gesichter besetzt werden konnten, ist der wahre Star dann aber doch ein tierischer; Max, der tibetanische Mastiff, stiehl hier einfach allen die Schau. Der Hund kann sowohl die harmlos "schlauer Freund und Beschützer"-Persönlichkeit als auch den gefährlichen, genetisch mit einem gewaltigen Update versehenen Killer problemlos zum Leben erwecken, lässt den Zuschauer schaudern und doch Sympathie für ihn empfinden. Selbst gegen Ende, wenn die mörderischen Triebe durchbrechen und er mit einer ordentlichen Entstellung auf blutige Jagd geht, leidet man doch immer noch mit ihm.

Erstaunliches leistete hierbei auch Kevin Yagher mit seinen tadellosen Make-up-Effekten, die praktisch perfekt und damit eigentlich auch preiswürdig sind. Aber ebenso müssen natürlich alle Tiertrainer an dieser Stelle ebenso ihr Lob bekommen.

Neben Max sind Ally Sheedy und Lance Henriksen die menschlichen Stars. Sheedy, vor allem in den frühen Neunzigern durch ihre Hits wie Breakfast Club und Wargames gut bekannt, spielt ordentlich und Henriksen ebenso, wobei seine Rolle des ketterauchenden Dr. Jarret doch etwas kurz kommt und man sich letztlich nie ganz sicher sein kann ob er nun wirklich das wahre Übel ist.

In Nebenrollen gibt Robert Constanzo einen der ermittelnden Detectives, Fredric Lehne, der später vor allem als verlässlicher Gastdarsteller in etlichen Serien wie Lost zu sehen war, tritt als Sheedys Freund Perry auf und Deadwood-Hauptdarsteller William Sanderson als fieser Schrottplatzbesitzer Ray.

Der auch hier hauptverantwortliche Stunt-Koordinator Rick Barker trat neben seiner Stuntarbeit auch als unglückseliger Postbote auf. Sein Weg würde sich mit Lance Henriksen noch einige Male kreuzen, so etwa bei Scream 3, wo er ebenfall wieder die Stunts koordinierte und bei Die Reiter der Apokalypse, wo er einen kleinen Auftritt als buchstäblich Gesichtsloser hat.


Fazit:

Originalitätspunkte werden für diese Geschichte keine verteilt. Die wirklich frischen Ideen gibt es dann höchstens in der Art und Weise wie das genetisch getunte Tier in Aktion eingesetzt wird, etwa bei der eindrucksvollen Verfolgung einer Katze, bei der Raubkatzen-Gene eine wichtige Rolle spielen.

Aber auch wenn die Geschichte an sich relativ unspektakulär ist, ist Man's Best Friend doch ein sehr kurzweiliger und durchweg unterhaltsamer Vertreter des Tierhorror-Metiers, der alles bietet, was man sich wünschen kann; einen liebenswerten und gleichzeitig gefährlichen tierischen Hauptdarsteller, bekannte Gesichter in menschlichen Haupt- und Nebenrollen, zwar etwas sparsam eingesetzte aber gute blutige Momente und Stunts.

Insgesamt betrachtet eine nicht überwältigende aber sehr nette und unterhaltsame filmische Erfahrung, die vielen ihrer Artgenossen eine Menge an Qualitäten voraushat.


Wertung: 4,5 von 6 Punkten


Der Lance-Faktor:

Rolle: Dr. Jarret
Synchronsprecher: Joachim Kerzel

Lance drehte den Film Anfang 1993 und damit vermutlich direkt im Anschluss an Harte Ziele, der bis in den Januar 1993 hinein gedreht wurde. Sein Äußeres in den beiden Filmen unterscheidet sich dabei erneut erheblich, alleine schon aufgrund der Rolle aber auch was Kleidung und Frisur anbelangt.

Lance ist in dem einzigen Outfit, welches er in diesem Film trägt, auch auf dem praktisch überall eingesetzten Poster zum Film zu sehen [übrigens ganz im Gegensatz zur vor ihm in den Credits genannten Kollegin Sheedy]. Seine Rolle ist eine der zentralen aber unter dem Strich wohl nur als durchschnittlich zu bezeichnen. Besonders gut ist dabei die Szene, in der Max entkommt und Lance/Dr. Jarret zunächst noch versucht, das Tier freundlich zu beschwichtigen (und anschließend in einem sehr hohen Tempo zu Fuß Hund und Auto verfolgt) sowie sein letzter Auftritt im Film.

Seine deutsche Stimme erhält Lance dieses Mal vom großartigen Joachim Kerzel, besser bekannt als Stammstimme von Männern wie Harvey Keitel, Dennis Hopper, Robert Wagner, Dustin Hoffman, Anthony Hopkins und Jack Nicholson. Paßt gar nicht schlecht.

Wertung: 4 von 6 Punkten

DS