Das Messer [1985]

Genre: Thriller
Originaltitel: Jagged Edge
Laufzeit: ca. 105 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1985
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Richard Marquand
Autor: Joe Eszterhas
Musik: John Barry
Darsteller: Glenn Close, Jeff Bridges, Peter Coyote, Robert Loggia, Maria Mayenzet, William Allen Young, Lance Henriksen


Kurzinhalt:

Die reiche Erbin Page Forrester wird zusammen mit ihrem Dienstmädchen eines Nachts von einem Unbekannten brutal in ihrem eigenen Schlafzimmer ermordet. Die Tatwaffe; ein Jagdmesser mit gezackter Klinge!
Recht schnell führen die Spuren den ermittelnden Staatsanwalt Krasney (Peter Coyote) zu Page's Mann Jack (Jeff Bridges), der durch ihren Tod Alleinerbe des Verlagsimperiums wurde.

Im Fadenkreuz der Justiz wendet sich der seine Unschuld beteuernde Jack an die Anwältin Teddie Barnes (Glenn Close), die in Mordprozessen nicht viel Erfahrung hat, jedoch früher für Krasney gearbeitet hat. Die Chemie zwischen Teddie und Jack stimmt und so nimmt sie den Fall schließlich doch an. Doch kann sie Jack, für den sie bald Gefühle entwickelt, wirklich trauen…?


Kritik:

Das filmische Lebenswerk von Regisseur Richard Marquand ist leider auch aufgrund seines sehr frühen Todes durch einen Schlaganfall im Jahre 1987 zahlenmäßig leicht überschaubar. Der 1938 geborene Brite wurde vor allem durch seinen Film Die Rückkehr der Jedi-Ritter [1983] bekannt, dem seinerzeit vermeintlich letzten Kapitel der Star Wars-Reihe von George Lucas. Als kleine Referenz an den Science-Fiction-Erfolg kann man in Das Messer im Schlafzimmer der Barnes ein Poster des Filmes sehen kann.

Bis dahin hatte Marquand in Großbritannien gedreht, doch mit den Jedi-Rittern wechselte er auf US-Boden. Auf den phänomenalen Kassenerfolg folgte zunächst ein kleineres Liebesdrama und schließlich die Möglichkeit, ein Drehbuch zu einem handfesten Justizthriller mit dem ursprünglichen Titel "Hearts on Fire" umzusetzen, in dem es u.a. auch um die Frage ging ob es ethisch vertretbar ist einen Mandanten zu verteidigen, von dessen Schuld man weiß. "Hearts on Fire" basierte auf einem Pitch (ein beim Studio eingereichter Storyvorschlag) von Produzent Martin Ransohoff und wurde schließlich von Autor Joe Eszterhas zum Drehbuch ausgearbeitet, welches schließlich in Jagged Edge umbenannt wurde.

Der damals noch recht unbekannte Ungar Eszterhas hatte mit Marquand zuvor bereits an einem Skript namens "Pals" gearbeitet, welches aber erst Jahre nach Marquands Tod unter neuem Namen (Nowhere to Run bzw. Ohne Ausweg [1993]) verwirklicht wurde. Mit der Geschichte von Das Messer zeigte Eszterhas bereits jene Elemente auf, die für sein späteres Werk charakteristisch sein würden; die Vermischung von Justiz, Mord, ethischen Fragen in der Rechtssprechung und erotischer Spannung. Am populärsten wurde diese Mischung sicher durch Eszterhas' Basic Instinct, doch auch hier verläuft die Geschichte im Grunde nach demselben Muster.

Dies ist denn auch eines der größten Probleme, wenn man den Film heutzutage vor diesem Hintergrund betrachtet, denn der findige Zuschauer ahnt mit der Zeit wie der sprichwörtliche Hase läuft, auch wenn dieser dann doch noch einige gekonnte Haken schlägt.

Marquand stand für den am 12. Januar 1985 beginnenden Dreh des Film ein Budget von weniger als 10 Millionen US-Dollar zur Verfügung und mit San Francisco als Drehort so etwas wie ein nicht lebender aber stets präsenter Hauptdarsteller. Gedreht wurde hier zunächst in der Bay Area, dem Rathaus, im Big Four-Restaurant des Huntington-Hotels, in der Penthouse-Etage eines Wolkenkratzers in der Innenstadt, einem Privathaus in Pacific Heights, auf einem Parkdach bei Fisherman's Wharf und einem Cottage in Portrero Hall. Nach einwöchigem Dreh siedelten Cast und Crew nach Los Angeles über. Dort wurden einige weitere Originalschauplätze verwendet, der Rest wurde in den Burbank Studios aufgebaut (etwa auch der von Produktionsdesigner Gene Callahan entworfene Gerichtssaal).

Die Hauptrollen wurden passend mit damals noch vergleichsweise unbekannten Darstellern besetzt, die aber bereits ihre ersten Spuren hinterlassen hatten. Sowohl Glenn Close (Schlagzeilen) als auch Starman Jeff Bridges (dessen Rolle zunächst Kevin Costner angeboten worden war) und Peter Coyote (Bitter Moon) spielen denn auch gut auf und füllen ihre Figuren mit Fleisch und Blut aus.  Besonders die kurz vor ihrem Durchbruch stehende Close liefert eine tadellose Leistung zwischen allein erziehender Mutter, ehrgeiziger Anwältin und frisch Verliebter.
Aber auch die Nebenrollen sind gut besetzt und warten mit Namen wie dem großartigen Robert Loggia (Die Ehre der Prizzis) als Privatschnüffler und Lance Henriksen als Ermittler auf.

Die Regie von Marquand ist dezent, vermag aber ebenso wie Eszterhas' Drehbuch, den Zuschauer trotz einer Laufzeit von über 100 Minuten bis zum Ende zu fesseln, obwohl bis zum Finale praktisch keine Action oder andere klassische Spannungsmomente geboten werden. Unterstützt wird die unterschwellige Spannung von John Barrys passendem, da zurückhaltendem Score.

Allen damals vielleicht denkbaren Zweifeln zum Trotz erwies sich Das Messer als kommerzieller (Überraschungs-)Erfolg, der nach seinem US-Start am 04. Oktober 1985 bereits am Startwochende gute vier Millionen Dollar wieder einspielte. Zuvor war er bereits bei einigen Festivals gelaufen und im Nachgang folgte die internationale Auswertung, u.a. auch mit einem Start in Deutschland am 20. März 1986.

Der Film bekam zudem auch wohlwollende Kritiken in der Fachwelt und so auch eine verdiente Oscar-Nominierung für Robert Loggia als bester Nebendarsteller. Weitere Nominierungen ergingen an Joe Eszterhas ("Edgar Allan Poe Award"), Richard Marquand (auf dem Festival Fantasporto) und Brandon Call ("Young Artist Award"), wobei jedoch keine der Nominierungen zu einer Auszeichnung führte.


Fazit:

Ein etwas lang geratener aber dennoch nie langweiliger Thriller, der recht gekonnt die erotische und emotionale Spannung seiner beiden Hauptprotagonisten mit einem mörderischen Verbrechen und der Frage nach der Identität des Killers verwebt. Außerdem wird die Mentalität einer "Verurteilung um jeden Preis" aufgezeigt und angeprangert, wie sie von Krasney hier betrieben wird.

Letzten Endes muss sich Autor Eszterhas hierbei aber auch dem Vergleich zu seinen späteren Werken stellen und da schneidet dieser Film verglichen mit dem wohl berühmtesten Beinüberschlag der Filmgeschichte ein wenig schlechter ab.

Dennoch liefert hier eine gute Besetzung unter Marquands Führung und vor der stets von sich aus atmosphärischen Kulisse San Francisco ein spannendes Rätselraten ab, das auch heute noch zu gefallen weiß.


Wertung: 5 von 6 Punkten


Der Lance-Faktor

Rolle: Frank Martin
Synchronsprecher: Hermann Ebeling

Zugegeben; es weckt Hoffnungen, wenn man Lance Henriksen gleich zu Beginn am Tatort neben Peter Coyote ermitteln sieht, doch leider muss man als Fan die Erwartungen schnell zurück schrauben. Seine Rolle als Ermittler Frank Martin (im Jahr nach dem Erfolg durch Terminator gleich wieder eine Polizistenrolle) ist nett gespielt und zu Beginn auch öfter zu sehen, doch das war es dann auch schon, denn nachdem Jack Forrester alias Jeff Bridges (durch Lance) verhaftet wird, ist er praktisch fertig mit dem Film.
Immerhin eine nette kleine Rolle in einem ordentlichen und seinerzeit viel beachteten Thriller, durch die er auch der Kinoleinwand treu bleiben konnte.

Der leider überraschend am 05.03.2000 im Alter von 71 Jahren verstorbene Sprecher Hermann Ebeling wurde vor allem als eine der beiden Stimmen von George Peppard in der Rolle des John Hannibal Smith in der TV-Serie Das A-Team bekannt. Hier ersetzte Ebeling für RTL seinen Kollegen Eckart Dux, der in den ersten, von der ARD ausgestrahlten Folgen, Peppard die Stimme geliehen hatte. Außerdem sehr bekannt ist sein Stimmauftritt in der ersten Staffel der Zeichentrickserie Duck Tales, in der er Dagobert Duck gab. Auch für Schauspieler Martin Landau sprang er oft ein. Das Messer ist der einzige mir bekannte Fall, wo Ebeling Lance Henriksen sprach.

Wertung: 2 von 6 Punkten

2009
DS